HÄV - Clever die Bayern, doof die Niedersachsen
Arzt ist nicht gleich Arzt, das wissen die Patienten. Und Hausärzteverband ist nicht gleich Hausärzteverband, das weiß jetzt auch der Hausarzt.
In Bayern handelt der BHÄV Selektivverträge nach SGB V § 73 b aus, die durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet sind:
- Der Hausarzt erhält pro Behandlungsfall ein vorab bekanntes und festes Honorar.
- Bei der bayerischen Lösung hat die KV keinerlei Möglichkeit, auf die Honorare aus diesen Verträgen Einfluss zu nehmen. Die KBV ist vollkommen außen vor, der BHÄV verhandelt.
Wie sieht es in Niedersachsen bei den sogenannten „add on“-Verträgen aus?
- Wie es schon der Name suggeriert, es erfolgen Zahlungen zusätzlich („add on“) zum normalen KV-Honorar.
- Die KVN und nicht der HÄV ist die von den Hausärzten beauftragte Interessenvertretung.
Ausgehend von einem durchschnittlichen Umsatz pro hausärztlichem Behandlungsfall in Niedersachsen von 55 bis 60 Euro pro Quartal, werden Leistungen gemäß dem Vertrag „add on“ gezahlt. In der Summe von „normalem“ Umsatz pro Behandlungsfall und dem „add on“-Anteil werden sich die Ergebnisse aus Niedersachsen von denen aus Bayern (oder auch Baden-Württemberg) nicht wesentlich unterscheiden. Aber das dürfte nur für „hier und heute“ gelten. Während nämlich die Honorare in Bayern für die Laufzeit der Verträge unveränderlich und bekannt sind, können die Honorare in Niedersachsen nach Belieben abgesenkt werden. Denn lediglich der „add on“-Anteil ist für die Laufzeit fixiert, das „normale“ Honorar kann genau so floaten, wie das langjähriger KV-Honorarverteilungspraxis entspricht.
Die KVN hat nämlich die Interessen all ihrer Mitglieder zu vertreten. Sollte sich ergeben, dass die KV ihren Sicherstellungsauftrag auf Grund von fehlenden Fachärzten einer bestimmten Fachrichtung zukünftig nicht mehr sicherstellen können wird, muss die KVN gegensteuern. Ob dazu eine sogenannte „KV-Eigeneinrichtung“ ins Spiel kommt, also die KV betreibt die Facharztpraxis und stellt einen Facharzt an, oder ob die Ärzte dieser Fachgruppe insgesamt deutlich mehr Honorar erhalten, spielt keine Rolle. Unterm Strich werden immer finanzielle Mittel benötigt, um den Sicherstellungsauftrag ordnungsgemäß auszuführen. Mehr Geld gibt es nicht, schließlich zahlen die Kassen mit befreiender Wirkung, also kommt nur die Kürzung bei anderen in Frage. Bei anderen Fachärzten zu kürzen, bei denen schon selbst eine Unterversorgung droht, macht wenig Sinn. Zudem ist der Topf der Hausärzte per se deutlich größer als der Topf einer speziellen Facharztgruppe.
Also wird die KVN bei Bedarf eine Umverteilung, weg von den Hausärzten und hin zu den Fachärzten vornehmen (müssen). Somit sinkt das Summen-Honorar eines Hausarztes von bisher „normaler“ Umsatz plus „add on“-Anteil um einen Betrag in der Höhe X. Egal wie hoch X am Ende ausfallen wird, es wird ein X geben. Und genau das unterscheidet die Hausarztverträge von einander. In Bayern kann die KVB machen was sie will, aber sie kann auf das Honorar eines Patienten in der hausärztlichen Versorgung keinen Einfluss mehr nehmen. Damit kann jeder Hausarzt fest rechnen.
Der HÄV in Niedersachsen ist schon von einer ganz speziellen Sorte. Nicht nur, dass er für die Hausärzte in Niedersachsen die wirtschaftlich schlechtere Variante gewählt hat. Nein, der HÄV in Niedersachsen hat mit der Beauftragung der KV den langjährigen Peiniger der Ärzteschaft für die nächsten Jahre institutionalisiert. Da fragt man sich, welche Vorteile die Funktionäre des HÄV in Niedersachsen davon haben, ihre Mitglieder der KVN ans Messer zu liefern.
Themenwechsel
Wenn ein zum Tode Verurteilter eine Stellenanzeige folgenden Inhaltes veröffentlicht, was würden Sie von dem Delinquenten halten?
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Sollte Ihnen so etwas wie „der kann doch nicht mehr alle Tassen im Schrank haben“ oder „so doof kann doch niemand sein“ einfallen, dann befinden Sie sich in bester Gesellschaft.
Auch bei brain2doc.de konnte sich niemand vorstellen, dass man so bescheuert sein kann.
Bis der Selektivvertrag in Niedersachsen veröffentlicht wurde. Noch schlimmer wurde es nur noch, als man lesen musste, dass die Hausärzte in Niedersachsen sogar noch stolz darauf sind, die frühere Vakanz in der Interessenvertretung mit einem überaus erfahrenen Kandidaten besetzt zu haben.
www.brain2doc.de am 1.Mai 2010