Hartmannbund gegen Hausarztvertrag


Hartmannbund und Bund der Internisten (BDI) sprechen sich gegen Hausarztveträge aus.

Ob sich BDI und/ oder Hartmannbund angesprochen fühlen könnten, ist schwer abzuschätzen. Liest man die Presseerklärung des Hartmannbundes und die des des Bundes der Internisten (BDI), dann liegt genau das nahe:

„Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten”
- so wird der Kabarettist Dieter Nuhr gerne bei passenden und unpassenden Gelegenheiten politisch inkorrekt zitiert.


Beide Verbände haben etwas gegen Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung,
kurz gegen § 73 b des SGB V. Da liest der Fachmann, und der Laie wundert sich, folgende Worte des Vorsitzenden des Hartmannbundes, Prof. Kuno Winn:

„Wir als Hartmannbund werden jedenfalls nicht so lange zuschauen, wie durch die einseitige Monopolstellung eines Verbandes in der hausärztlichen Versorgung bewährte und für die flächendeckende Versorgung unserer Bevölkerung unverzichtbare Strukturen zerschlagen werden”. (Quelle]

Wenn der Hartmannbund nicht zuschauen will, was dann? Schließt er die Augen und lässt es geschehen? Weit gefehlt. Denn der Hartmannbund, seiner Tradition und im Besonderen dem Gedankengut seines Gründers Hermann Hartmann verpflichtet, kämpft schließlich für die Interessen der niedergelassenen Ärzte, wie man seiner Presseerklärung leicht entnehmen kann.

Da heißt es:

„Das Kollektivvertragssystem hat - bei allen unbestrittenen Schwächen - die Sicherung der wohnortnahen flächendeckenden Versorgung auf einem hohen Niveau erst ermöglicht. Es muss daher eine Chance haben, sich im Wettbewerb behaupten und zukunftsfähig weiterentwickeln zu können. Bleibt der § 73b in seiner jetzigen Form bestehen, wird diese Chance verwehrt und der Untergang des kollektiven Vertragsmodells politisch besiegelt“.

Oh, das war wohl die falsche Passage. Da werden nicht die Interessen der Ärzte sondern der Kollektivvertragssystemprofiteure vertreten.

Das Kollektivvertragsystem, welches Ärzte ohne über Los zu gehen direkt in den Abgrund schickt und dessen Repräsentanten alles tun um das System zu erhalten, also dieses Kollektivvertragssystem ist für den Hartmannbund erhaltenswert?

Selbstverständlich ist es erhaltenswert. Fragt sich nur, aus wessen Sicht. Würde das derzeitige System den Bach runter gehen, was würde man mit vielen der Ärzte an der Spitze des Systems machen? Statt andere Ärzte zu schikanieren müssten die dann vielleicht sogar wieder als Arzt zu arbeiten. Bitte, wer kann denn einem völlig überbezahlten Ärztefunktionär zumuten, erstens als Arzt wieder richtig zu arbeiten und zweitens auch noch zu einem Honorar, welches zwar für Otto Normalarzt passt aber für einen Funktionär völlig indiskutabel ist. Solche Zustände muss man doch verhindern - oder?

Es bleibt den Funktionären gar nichts anderes übrig, als für den Erhalt des Kollektivvertragssystems einzutreten.
Ähnlich wie beim Untergang der DDR erwarten „die da oben”, dass „die da unten” gefälligst nichts unternehmen, was den Bestand des Status quo zu gefährden. Anlässe für Analogien zwischen dem KV-System und der DDR gibt es übrigens genug.

Und nur weil HÄV und MEDI über solche Verträge für ihre Ärzte nahezu eine Honorarverdopplung erreicht haben, mithin also eine kostendeckende Honorierung, während die KV völlig unzureichende Honorare mit der Peitsche gegenüber dem gemeinen KV-Volk noch als ausreichend anpreist, schert Otto Normalarzt nicht aus dem Kollektivvertragssystem aus.

Was erdreisten sich diese Ärzte, ihren eigenen Nutzen über die Interessen ihrer privilegierten Funktionäre des Kollektivvertragssystems zu stellen? Wenn das Schule macht …… eben, wenn das Schule macht, dann ist das Kollektivvertragssystem weg vom Fenster.

Wo kämen all die KV-Vorstände denn hin, wenn die Hausärzte in Scharen bei den 73b mitmachen würden? Nur um den dummen, frechen und dreisten Ärzten ein angemessenes Honorar zukommen zu lassen, kann man doch nicht gleich die Mielkes, Honeckers, Schabowskis oder Krenz des KV-Systems in die Wüste schicken.

Oder doch?

Ob Sie es glauben oder nicht, der Hartmannbund hat trotzdem Recht, selbst wenn 99,x% der Hausärzte auf so einen Verein pfeifen würden, bei dem „die da oben” das Geld derer verprassen, die dafür buckeln und schuften müssen. Auch wenn Sie persönlich einfach nur Arzt sind und Sie gar nicht über den nötigen Horizont verfügen, um die Genialität der Ärztefunktionäre erkennen zu können, wollen wir Ihnen die Logik der Funktionäre vorstellen.

Wenn die Funktionäre viel Geld haben und die arbeitenden Ärzte wenig, gehen die Ärzte unter. Alles paletti, die Funktionäre haben alles richtig gemacht.
Wenn die Gefahr besteht, dass Ärzte angemessen bezahlt werden und viele Funktionäre in die Wüste müssten, dann gibt es Presseerklärungen (siehe oben).

Der Hartmannbund steht mit seiner ablehnenden Haltung übrigens nicht alleine da. Man nehme beispielsweise den BDI, den Berufsverband Deutscher Internisten. Da liest man:

Die konsequente Umsetzung der derzeitigen Fassung führt zur Auflösung der Kassenärztlichen Vereinigungen, die man zum Erhalt einer flächendeckenden Basisversorgung auch in Zukunft brauchen wird.

Auch der BDI macht sich also Sorgen um die Kassenärztlichen Vereinigungen. Dieser 73b hat wohl das Zeug dazu, die Kassenärztlichen Vereinigungen aufs Schafott zu schicken. Am Ende wären die Kassenärztlichen Vereinigungen eine Randnotiz der Geschichte und die Ärzte würden für ihre Arbeit angemessen bezahlt. Was wären das denn für Verhältnisse?

Wer war doch noch mal gleich Mitglied beim BDI respektive beim Hartmannbund? Ach ja, es müssen die Kassenärztlichen Vereinigungen sein. Denn nur so lässt sich erklären, dass Prof. Winn und Dr. Wesiack als Interessenvertreter mit obigen Positionen an die Öffentlichkeit gehen. Als Interessenvertretung des KV-Systems hätten die beiden einen guten Job gemacht.

Als Interessenvertretung der Ärzte ist die Performance von BDI und Hartmannbund unterirdisch.

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