Bayerns Hausärzte - Jetzt oder Nie

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage


Auf die Frage „Aussteigen oder nicht?“, kann es nach den Ereignissen der letzten Tage nur eine Antwort geben. Aussteigen!

Kassen und Politik lassen derzeit nichts unversucht, die Hausärzte zurück ins System KV zu zwingen. Dieses Mal allerdings zu noch schlechteren Konditionen als vor zwei Jahren, da die höheren Honorare aus den Hausarztverträgen gestrichen werden. Die Art und Weise, wie mit Ärzten umgesprungen wird, dürfte auch den gutmütigsten Hausarzt so langsam aber sicher dazu bringen, sich auf den Weg nach Nürnberg zu machen. Schlimmer als derzeit schon bekannt, kann es für die Hausärzte gar nicht kommen.

Statt der höheren Honorare in der hausarztzentrierten Versorgung fallen alle Hausärzte für die Patienten jetzt wieder auf das niedrigere KV-Niveau zurück. Sollten ursprünglich nur die Aussteiger bestraft werden, jetzt werden alle Hausärzte in Sippenhaft genommen (fristlose Kündigung des Vertrages zur hausarztzentrierten Versorgung durch die AOK und Ankündigung der Ersatzkassen zur Kündigung am 20.12.2010) Was sind das für „Partner“, die wahllos auf alle einprügeln und dabei nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden?

Nachdem die Drohungen der Kassen gegenüber dem BHÄV wirkungslos verpufft sind, springt die Politik den Kassen bei. Allerdings nur halbherzig, wie man dem Interview von Dr. Söder in der Passauer Neuen Presse entnehmen kann. Aus dem Interview einige Auszüge:

Mediziner haben ein Berufsethos. Es geht um die Versorgung von Kranken, und nicht nur um Honorarstreitigkeiten. Berufsinteressen dürfen nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden.
Kommentar:
Seit zwanzig Jahren wird den Ärzten jegliche echte Interessenvertretung unter Hinweis auf das Berufsethos versagt. Sind Ärzte unterbezahlte Übermenschen oder sind Ärzte auch nur Menschen, allerdings mit einer deutlich höherwertigeren Berufsauffassung als Politiker?

Im Übrigen gelten selbst bei einem Ausstieg Übergangsfristen.
Kommentar:
Man scheint sich in der bayerischen Staatsregierung schon mit dem Fall zu beschäftigen, dass es in Nürnberg zum Ausstieg kommen wird.

Langfristig müssten in einem solchen Fall die Selbstverwaltung und die Krankenkassen denkbare Versorgungslücken schließen. Dies würde sicher gelingen.
Kommentar:
Langfristig ist alles machbar. Kurzfristig ist dagegen nichts machbar. Und genau deswegen wären die Hausärzte in Bayern sehr gut beraten, sehr schnell zu agieren und bezüglich ihrer Entschlossenheit eigene Ziele durchzusetzen keine Zweifel aufkommen zu lassen.

... die Versicherten zahlen ab 1. Januar höhere Beiträge und erwarten sich dadurch eine bessere Versorgung - keine schlechtere.
Kommentar:

Das war der letzte Satz in dem Interview und es dürfte der entscheidende Passus gewesen sein. Die Versicherten erwarten eine bessere Versorgung, keine schlechtere.
Welche Modelle zur Aufrechterhaltung der hausärztlichen Versorgung nach einem Ausstieg von über 60% der Hausärzte man auch durchdenkt, eines ist sicher. Im wahrscheinlichsten, und für Kassen und Politiker ungünstigsten Falle, wird die hausärztliche Versorgung flächendeckend zusammenbrechen. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Kassen genügend ausländische Ärzte gewinnen, genügend pensionierte Ärzte reaktivieren und genügend Fachärzte für die hausärztliche Versorgung gewinnen können, um wenigstens so eine Art Dauernotdienst an den Krankenhäusern einrichten zu können, das wird eine sehr viel schlechtere Versorgung der Bevölkerung werden.

Die Versicherten zahlen ihre Beiträge an Kassen und sie erwarten von Kassen und Politikern, dass sie dafür auch einen entsprechenden Gegenwert erhalten. Wenn die Versicherten bzw. Patienten sehr viel schlechter als bisher versorgt werden, wem wird die bayerische Staatsregierung die Verantwortung dafür zuschieben? Den Kassen oder dem bayerischen Gesundheitsminister Dr. Söder?

Gegen das eigene Volk zu regieren, das haben bisher vorwiegend Diktaturen geschafft. Jeder Politiker, der sich bei Landtagswahlen dem Votum der Wähler bzw. Patienten stellen muss, wird sehr genau wissen, auf welcher Seite er zu stehen hat, falls er seine Karriere nicht schlagartig beenden möchte. Der letzte Satz aus dem Interview legt nahe, dass Dr. Söder sehr genau weiß, wann er eine nicht mehr haltbare Position aufzugeben hat.

www.brain 2doc.de am 18.12.2010


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