Ärztliche Interessenvertretungen sind schon merkwürdig. Entweder verfolgen sie überwiegend keine konkreten berufspolitischen Ziele oder es fehlt an der Strategie, um solche Ziele zu erreichen. Das sind die Hilf- oder Strategielosen.

Oder die ärztlichen Interessenvertretungen sprechen in der Öffentlichkeit nicht über Ziele und/oder Umsetzungsstrategien. Das sind die (Un-)Heimlichen.

Einige Interessenvertretungen streben öffentlich zwar Ziele an, verzichten auf eigene Aktivitäten zugunsten des Prinzips: Hoffnung auf einen Dritten. Diese bilden die Gruppe der Maulhelden.

Dann gibt es noch die überwältigende Mehrheit unter den ärztlichen Interessenvertretungen, die auf die Frage, welche berufspolitischen Ziele sie angesichts der indiskutablen wirtschaftlichen Situation der Ärzteschaft verfolgen, empört antwortet: Wir, wir sind doch für solche Fragen gar nicht zuständig.

Solche Interessenvertretungen unternehmen de facto nichts von Relevanz, was die wirtschaftliche Situation der niedergelassenen Ärzte verbessern könnte.

Soweit überhaupt Aktivitäten von ärztlichen Interessenvertretungen beobachtbar sind, gibt es offensichtlich derzeit nur drei Gruppierungen, die sich aus der Masse abheben (s.u. *).

Zu diesen Gruppierungen zählen:

- Hausärzteverbände (Bundesebene, Bayern, Baden-Württemberg)
- MEDI (Baden-Württemberg)
- Ärztegenossenschaft (Schleswig-Holstein)


Die oben Genannten verfolgen das Ziel, die wirtschaftliche Situation von Ärzten zu verbessern. Ihre Strategie ist derzeit identisch: Abschluss von Selektivverträgen.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Gewähr (*) eine Übersicht über Verbände, die entweder zur Sache nichts zu sagen oder keine erfolgversprechende Strategie zu bieten haben. In alphabetischer Reihenfolge (Stand Dezember 2009):
- Ärztekammern
- Bayerischer Facharztverband
- Bundesärztekammer
- Bündnis Direktabrechnung
- Deutscher Facharztverband
- Facharztverbände
(alle fachärztlichen Interessenvertretungen mit Ausnahme derer drei, die in der oberen Rubrik gelistet sind)
- Freie Ärzteschaft
- Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände
- Hartmannbund
- Kassenärztliche Bundesvereinigung
- NAV-Virchowbund

Solange sich eine ärztlichen Interessenvertretung in der unteren Aufzählung widerfindet, ist sie irgendwie entweder als ärztiche Interessenvertretung nur suboptimal geeignet und damit überflüssig. Oder sie besitzt den Status einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts.

Dank der schützenden Hand des Gesetzgebers können es sich Letztere leisten nichts zu tun - und sie überleben trotzdem. Für die anderen Interessenvertretungen könnte folgendes geflügelte Wort wahr werden: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

(*) Wir bitten um die Zusendung von geeigneten Unterlagen, falls eine ärztliche Interessenvertretung in der Tabelle unzutreffend eingruppiert wurde. Wir werden die Tabelle unverzüglich korrigieren.

(C) www.brain2doc.de 03.12.2009